„Töpfchen koch!“ -
„Töpfchen steh!“
aus: „Der süße Brei“ - Grimm Nr. 103
Die richtigen Worte finden gibt Macht. Im Märchen vom süßen Brei ist es das Kind, das den Umgang mit dem Töpfchen durch die richtigen Worte beherrscht. Für uns, im Alltag, kann es eine geheime Losung sein: Wann nehmen Entwicklungen keinen guten Weg, wann gilt es für mich, die Hand auszustrecken und „Stop!“ zu sagen, oder „Töpfchen steh!“
„Wenn´s Möndel ins Körbel scheint“
aus: Jorinde und Joringel - Grimm Nr. 69
Es ist die Stunde, in der gefasst werden kann, was im Unbewussten erhellt wird. Im Märchen von Jorinde und Joringel wird der Held von Zadkiel „losgebunden“. „ … iel - ist die Namensendung von einem Erzengel, von einem der von Anfang an da ist ( = altgriech. en archäa; engl. = archangelo im Sinne von Bogen, italien. = arkangelo Tor, Eingang).
Wenn die richtige Stunde kommt, dann darf geschehen, auf was wir schon lange warten.
„Morgen ist morgen.“
aus: dem gleichnamigen jüdischen Märchen aus Afghanistan
„Morgen ist morgen. Gott sei gepriesen Tag um Tag.“ Dreimal bekräftigt der Held seine Einstellung, und lässt sich bei der unerkannten Probe nicht „ins Bockshorn“ jagen. Das Märchen erzählt in eindrücklicher Weise, dass es sich lohnt, ganz gegenwärtig zu leben. Gegenwärtig zu leben ist die Essenz jeder Religion - und gar nicht so einfach, wie es sich anhört.
„Der Morgen ist weiser als der Abend.“
aus: „Die wunderschöne Wassilissa“ - russisches Märchen
Auch hier kommt uns obige Weisheit entgegen. In diesem Märchen sagt es die Puppe der Heldin: „Bete zu Gott und lege dich schlafen; der Morgen ist weiser als der Abend.“ Sie spricht es, nachdem Wassilissa auf so manches
verzichtet hat, um ihr Püppchen zu nähren:
ihre innere Stimme, ihre Intuition, ihre Allverbundenheit.
„Wer viel weiß, wird bald alt.“
aus: „Die wunderschöne Wassilissa“ - russisches Märchen
Im gleichen Märchen hören wir auch diesen Satz: „Wer viel weiß, wird bald alt.“ Die Baba Jaga sagt es zur wunderschönen Wassilissa, die bei ihr eine Initiation durchlebt. Was steckt hinter dieser Aussage? Es geht um Demut, die die Uralte einfordert, darum, etwas offen zu lassen, den Mysterien Raum zu geben. Weisheit braucht mehr als Kopfwissen, braucht Herz und Intuition,
braucht Hände die nach dem handeln, was man weiß.
Allumfassend begreifen ist heilsam und kommt zu keinem Ende.
~ Oder, mit den Worten Rainer Maria Rilkes:
„Mein Wachstum ist der tief Besiegte von immer Größerem zu sein.“
„Die Guten ins Töpfchen,
die Schlechten ins Kröpfchen.“
aus: „Aschenputtel - Grimm Nr. 21“
Aschenputtel geht durch die Hintertür „nach dem Garten“ um die Vögel herbeizurufen. Sie geht in einen Bereich, wo nicht jeder hinkommt, in ihren persönlichen Bereich, ihren Rückzugsort: ein Garten, in dem alles grünt und blüht. Dort ruft sie die Vögel an und spricht zu ihnen: „Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen!“ - Zuvor werden ihr zweimal Erbsen und Linsen in die Asche geschüttet. - Es geht um die Klärung:
Was keimt? Was bringt neues Leben hervor? Es geht um die Auslese dessen, was dem Leben dient und was nicht. - Was dem Leben nicht dient wird vertilgt.
„Quarrtsiluni"
Majuaq war eine greise Eskimofrau. Sie erzählt: "In alten Tagen feierten wir jeden Herbst große Feste zu Ehren der Seele des Wales, und diese Feste mussten stets mit neuen Liedern eröffnet werden; alte Lieder durften nie gesungen werden, wenn Männer und Frauen tanzten, um den großen Fangtieren zu huldigen. Und da hatten wir den Brauch, dass in jener Zeit, in der die Männer ihre Worte zu diesen Hymnen suchten, alle Lampen ausgelöscht werden mussten. Es sollte dunkel und still im Festhaus sein.
Nichts durfte stören, nichts zerstreuen. In tiefem Schweigen saßen wir in der Dunkelheit und dachten nach ... Diese Stille war es, die wir Quarrtsiluni nannten. Sie bedeutet, dass man auf etwas wartet, das aufbrechen soll. - Unsere Väter hatten den Glauben, dass Gesänge in der Stille geboren werden. Dann entstehen sie im Gemüt der Menschen und steigen herauf, wie Blasen aus der Tiefe des Meeres, die Luft suchen, um aufzubrechen. So entstehen die heiligen Gesänge."
aus: Halbfas, Hubertus - Der Sprung in den Brunnen - S. 23, 24
Patmos Verlag, Düsseldorf 1981/1996 - dort: Zitat Rasmussen, Knud