Formelhafte Märcheneinleitungen
… unterstreichen die Magie, das Entrückte, Geheimnisvolle u. doch Wahre.
Wir vergewissern uns der weit zurück liegenden Vergangenheit und der fernen Zukunft.
Linde Knoch Erzählpraxis S. 8
Es war einmal, es wird eines Tages sein. Das ist aller Märchen Anfang.
aus: Dreißig-in-Paris. In Bretonische Märchen Hrsg. Ré Soupault.
Eugen Diederichs Verlag
Es war einmal, was nicht war. Wäre es nicht gewesen, so könnt ich es nicht erzählen. Es war einmal …
Vom Prinzen und dem Mädchen aus dem Lorbeerbaum - aus Griechenland
Linde Knoch - Baumbuch Wurzel- und Wipfelworte S. 79
Es war einmal in alten Zeiten - und hätten wir damals gelebt, so lebten wir heute nicht mehr. Unsere Geschichte wäre neu oder alt. Aber darum würden wir doch nicht ohne Geschichte sein. - Es war damals …
Die schönsten Märchen der Welt - Lisa Tetzner - 07. Februar - aus Irland:
Der Ritter mit dem finsteren Lachen)
Es war einmal …
ich weiß nicht wo,
jenseits von 7 x 7 Königreichen
und noch weiter
auch jenseits des Operenzenmeeres
also jenseits aller Mühe und Plage
auf der umgefallenen Seite
eines eingefallenen Ofens
in der 77. Falte eines Altweiberrocks
da war ein weißer Fleck
und in dessen mittelster Mitte
glänzte eine königliche Stadt.
Und von dem König dieser Stadt
will ich euch nun erzählen …
aus den Balkanländern
Mit Kindern rufen: “1 - 2 - 3 Märchen komm herbei!“
Es war einmal, vielleicht auch nicht, jenseits des Operenzenmeeres, diesseits der Glasberge, aber noch weiter, als die Kleienschober …
es war einmal ~ ein König
Märchenpalast III S. 281 - Der himmelhohe Baum - Ungarn
Es war einmal, der Himmel weiß wo, irgendwo noch über dem operenzianischen Meer,
weit über den gläsernen Bergen, dort wo der hinfällige und baufällige Kamin stand, daran
weder Mauer noch Schlot mehr war, und zusammengefallen war, wo er nicht noch stand, ganz dicht neben dem kahlen Such-nicht-und weiß Teufelsberg, da war einmal ein Fluß,
am Ufer des Flusses eine alte, hohle Weide, an jedem Ast der Weide ein zerlumpter und zerfetzter Weiberrock und in jedem Winkelchen und Fältelchen jedes Weiberrocks je eine Herde von Flöhen - und wer mir nicht aufmerksam zuhört, soll der Hirt von dieser Herde Flöhe sein. Wenn er aber auch nur einen entspringen lässt, soll er dem schrecklichen Blutdurst der Flohherde preisgegeben und von ihr zu Tode gezwickt werden.
Märchenpalast III S. 290 „Der Tod und die Alte“ - Ungarn
Es war einmal, ich weiß nicht wo, da wo sie das Eis dörren, dem Sperling Hufeisen anschmieden, wir wollen mal tüchtig lügen, wenn´s geht.
Märchenpalast III S. 297 „Die zwei Brüder“ - Ungarn
Es war einmal,
und ist doch nie gewesen …
In einem fernen Land
und doch so nah,
wo Himmel und Erde
sich berühren,
wo die Zeit stille
steht
und alles möglich scheint.
Quelle unbekannt
Es war einmal - oder war es nicht?
Es muss doch etwas gewesen sein,
wenn man davon erzählt …
Anfang eines Zigeunermärchens aus Schweden: Der Tod und das Knäckebrot
In einem Wald gab es 77 Bäume
und jeder Baum hatte 77 Äste
und darin saßen 77 Raben.
Der 77zigste hat sich ´mir´ auf die
Schulter gesetzt und dieses Märchen erzählt …
Märchen, ich pflanz dich, auf dem Acker des Lebens,
auf dass du groß und kräftig wirst.
ich sammle deine Ähren und zermahle sie zwischen Steinen.
Dann verrühre ich den Brei mit frischem Wasser,
mit Honig und Milch und wärme ihn am Feuer.
Kommt, die Ihr hungrig seid und esst,
denn was dem Körper das tägliche Brot,
das sind der Seele die Märchen.
Quelle unbekannt
An einem alten Schloss waren 77 Sträucher
und jeder Strauch hatte 77 Äste
und jeder Ast hatte 77 Dornen
und mitten darin wuchsen 77 Rosen
ein brach ich und roch daran …
und da kam mir folgendes Märchen in den Sinn
oder:
auf der 77zigsten saß ein Schmetterling
der flog zu mir,
setzte sich mir auf die Schulter
und hat mir folgendes Märchen erzählt:
Jutta Weindl
Roter Faden gebunden,
Um die Spule gewunden,
Gib ihr´n Stoß, dass sie sich drehe,
Und das Märchen von sich gehe,
Und der Abend schön vergehe.
aus: Die schönsten Märchen der Welt - Lisa Tetzner - 17. Februar
- aus Griechenland: Der Bartlose
Es war einmal, es wird eines Tages sein:
und das ist von allen Märchen der Anfang.
Es gibt kein „wenn“ und kein „vielleicht“;
der Dreifuß hat unbestreitbar drei Füße.
Es war zur Zeit, da …“
Die schönsten Märchen d.Welt - Lisa Tetzner - 19. Februar
aus Frankreich: "Dreißig aus Paris"
ähnlich, bei Ulf Diederichs im Märchenpalast gefunden (S. 19)
Es war einmal, es wird einmal sein.
Das ist aller Märchen Anfang.
Es gibt kein Wenn und kein Vielleicht.
Der Dreifuß hat, fürwahr, drei Füße.
… aus einem bretonischen Märchen: „Dreißig von Paris“ S. 355
Weißt du noch, weißt du noch? Es ist schon lange her.
Da wanderten, da wanderten, zwei Wanzen über´s Meer.
Wisst ihr noch, wie das gewesen ist? Nein?
Gut, dann will ich es euch erzählen, und wer nicht aufpasst,
den sollen die Wanzen beißen.
Damals …
Märchenpalast S. 445 Anfang des französichen/ provenzialischen Märchens
„Die Hornissen der Hexe“ = Variation zu „Die drei Spinnerinnen“ und „Rumpenstünzchen“
Es war einmal, wie viele vor uns, die auf der Welt sind oder jemals waren oder je sein werden … (ein König und seine Frau und drei Söhne …)
Märchenpalast II S. 67 „Der Tartaro“
Also, ich will da eine Sache erzählen, die ist schon sehr lange passiert.
In XY ist es gewesen, damals, was ich euch jetzt erzählen will: Da lebte einmal … (ein Graf) …
Wie er geheißen hat, das weiß ich nicht mehr. Tut auch nichts zur Sache. (Der Graf …)
Märchenpalast II S. 143 „Der blaue Drache“ Sardinien
Also Kinder, hört gut zu! Es war(en) einmal …
Märchenpalast III S. 40 „Die erlösten Prinzessinnen“ - Tschechai
Es ist niemand so glücklich, dass er das wünschen verlernte. … Das erfuhren auch ein König und eine Königin … die keine Kinder hatten.
Märchenpalast III 411 „Der Soldat und die schwarze Prinzessin“ - Niederdeutsches Märchen/ platt
Erzählereinschübe:
~ Kurz und gut, um die Geschichte weiter zu bringen …
~ Mir scheint, dass ich das schon gesagt habe, dass …
(~ er ein schöner Junge war ... )
Märchenpalast II S. 180, 182 „Petru der Pächter“ Sizilien
~ Auch ich bin ein wenig dort gewesen, da habe ich es gesehen.
(Brautwerber kommen hin, man feiert Hochzeit)
Märchenpalast III S. 166 Zarensohn Nichtschlau-Nichtweise
~ Das Märchen ist schnell erzählt, aber die Sache ist nicht schnell
geschehen. Schließlich kam er ...
Märchenpalast III. S. 171 Zar-Jungfrau
Schlussformeln:
„ … wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch.“
Fundevogel Grimm Nr. 51
Märchen sind alt wie ein Bär und ich frage Euch:
Reicht es schon - oder wollt ihr noch mehr?
Jutta W. mal nach dem Erzählen von „Der Kobold und die Ameise“
Ich bin auch da gewesen und hab´mitgefeiert, hab´getanzt, gegessen und getrunken und bin so müde geworden, dass ich zum Schlafen in ein Kanonenrohr gekrochen bin, und als sie einen Freudenschuss abfeuerten, da haben sie mich geradewegs hierher geschossen, zu euch, damit ich euch das Märchen erzähle!
aus : Die Prinzessin, die in einen Wurm verwandelt war - Litauen
Linde Knoch Das Kind im Märchen und das Kind in uns S. 66
„Darum sollte kein einziger Mensch auf dieser Welt sagen, dass wer albern ist, deshalb nichts Rechtes werden könne.“
Der arme Müllersbursch und das Kätzchen, Grimm Nr. 106
„Mein Märchen ist aus, und dort läuft eine Maus, wer sie fängt, dar sich eine große, große Pelzkappe daraus machen.“
Hänsel und Gretel, Grimm Nr. 15
„Dann lebten sie vergnügt und es ging ihnen wohl, bis an ihr Ende.“
Die Goldkinder, Grimm Nr. 85
Und nun lauft alle geschwind aufs Schloss und schaut, dass ihr noch einen Tropfen von dem Wein abbekommt! Er ist wirklich excellent.
aus: Zottelhaube - norwegisches Märchen,
„ … und da wurde gefeiert, dass das Fest kein Ende nehmen wollte.
Lauft geschwind hin, vielleicht ist noch ein Schlückchen vom Brautbier übrig.“
Lurvehette - Zottelhaube - Norwegen gefunden in: Dickerhoff, Heinrich:
„Trau Deiner Sehnsucht mehr als Deiner Verzweiflung“ S. 69
Mach dich nur auf den Weg zum Schloß, so ist es möglich, dass noch ein Tröpfchen vom Hochzeitsbier für dich übrig ist.
Märchenpalast S. 42 Ende des Norwegischen Märchens „Das Bocksmädel“
„Trinkt Cidre, Leute, denn Cidre ist gut!
Ein Pfennig kostet der Krug.
Cidre ist da, um davon betrunken zu werden.
Und Mädchen sind da, um geliebt zu werden.
Lasst jeden, der da ist, sich selber lieben,
dann wird es keine Eifersucht mehr geben.“
Diana Jung mit Instrumentuntermalung (Dudelsack?)
beim Erzählabend von Dorothea Auer und Andrea Mittl Herbst 2021 Ulm
Ich war gerade auf der Wanderschaft und bin in den Tagen, da die Hochzeit mit großem Prunke gefeiert wurde, in die Kuchl gekommen, um auch etwas von der Tafel zu haben; aber die böse Köchin hat mich mit der Ofengabel aus der Kuchl hinausgeschlagen.
aus: Die schönsten Märchen der Welt - Lisa Tetzner - 24. Februar - aus Österreich: Die zwei Fischerbuben
Sie feierten vierzehn Tage und vielleicht feiern sie noch. Wir wollen uns eilen, dann kommen wir vielleicht noch recht und können mit dem Bräutigam anstoßen und mit der Braut tanzen.
aus: Die schönsten Märchen der Welt - Lisa Tetzner - 03. März - aus Norwegen: Der Bursche, der um die Tochter der Mutter im Winkel freien wollte
Schnipp, schnapp, schnaus, nun ist das Märchen aus.
Märchenpalast S. 32 Ende des Norwegischen Märchens Kari Tästak
Der Prinz und seine beiden Frauen lebten von nun an in Frieden und Freude.
Ich hab sie dort gelassen.
Märchenpalast S. 283 Ende des schottischen Märchens „Goldbaum und Silberbaum“ (= Das schottische Schneewittchen)
Kakalakka, mein Geschichtchen ist aus.
= typische Schlussformel aus Frankreich
Ich aber saß unter dem Tisch, wo ich die Knochen benagte. Drückt den Türschnapper auf, das Märchen ist aus.
Märchenpalast S. 442 Ende des französischen Märchens „Catarina“ (= Aschenputtel und Chawroschetschka - Motive)
Dieses Märchen ist zu End, wie ein Schnitt den Schinken trennt;
Legt man einen Teil zurück, bleibt für morgen noch ein Stück.
Märchenpalast II S. 27 „Sieben Mensch und Sieben-Buckel“ Katalonien
Und wenn sie noch nicht anders geworden sind, dann sind sie noch so,
und der´s zuletzt erzählt hat, der lebt noch.
Märchenpalast III S. 391 „Goldhahn, Tischchen deck dich und Knüppel aus dem Sack“ - niederdeutsch/ platt
Ich bin auch auf der Hochzeit gewesen, deshalb kann ich es euch so genau erzählen.
Die Musik spielte, man holte einander zum Tanz, man jauchzte und freute sich.
Ich hab gratuliert und viel Glück und alles Gute und Schöne gewünscht,
und dann wurde ich ununterbrochen aufgefordert zu essen.
Ich habe gegessen, aber abends musste ich heim, unsere Kuh und die Schweinchen versorgen. Außerdem hätte mich die Mutter gesucht und geweint, wenn ich nicht daheim gewesen wäre. Damit sie mich nicht mit der Laterne holen musste, machte ich mich auf den Weg, ging gemächlich in den Garten, dort aber war ein Papierboden, durch den fiel ich hindurch bis hierher zu euch, liebe Kinder. - Und damit ist das Märchen aus.
Märchenpalast III S. 45 Die erlösten Prinzessinnen - Tschechai